…von Michael (Instagram)
Ist Stillstand jetzt schon Fortschritt? Dumars’ Fiasko: Die Fortsetzung. Ein satirischer Lagebericht aus dem Sumpf von New Orleans – zwischen Geister-Drafts, Duke-Nostalgie und der Hoffnung auf die ewige 12.
Rückblick
Frühjahr 2026, New Orleans: Die vergangene Saison war eine Katastrophe mit Ansage und TÜV-Siegel. Ein unpassender Kader, verschenkte Assets und am Ende trostlose 30 Siege bei einem Net Rating von -4.5. Das Bittere daran: Diese Zahlen waren noch geschönt. Während die Konkurrenz im Tabellenkeller mit Hingabe den Tank anwarf und absichtlich verlor, hatten die Pelicans dank Joe Dumars’ Sommer-Aktionen schlichtweg keinen eigenen Anreiz dafür. Die Pels wollten gewinnen – sie waren einfach nur unfähig dazu.
Immerhin: Bei Derik Queen muss ich mich ein Stück weit entschuldigen. Der Junge zeigte echte Ansätze und gehört im Vorbeigehen schon jetzt zu den besten Lob-Passgebern der Liga. Ob das den verbrannten Monster-Pick rechtfertigt? Natürlich nicht. Aber man nimmt im Sumpf ja mittlerweile jeden Strohhalm.
Offseason
Wer nach diesem Desaster auf eine Revolution hoffte, kennt Joe Dumars schlecht. Die Offseason glich eher der Endlosschleife einer kaputten Jukebox:
- Der Draft: Dank Dumars’ letztjährigen Tausch-Eskapaden durften die Pelicans die zwei Draft-Abende gemütlich vor dem Fernseher verbringen. Null Picks, null Stress.
- Die Summer-League: Während andere Top-Rookies der Liga schwitzten, hielten es die Pelicans-Youngster offenbar nicht für nötig aufzulaufen. Belastungssteuerung im Juli – das nenne ich Prioritäten.
- Die Free Agency: Grabesstille im Big Easy. DeAndre Jordan wurde gehalten (für die Kabinen-Vibes?), bis plötzlich Bennedict Mathurin anheuerte. Ein junger Scorer mit Finals-Erfahrung und Freiwurf-Garantie? Klingt stark – bringt aber defensiv und spielerisch genauso viele Fragezeichen mit wie der Rest der Truppe.
- Das Stühlerücken: Shooting-Hoffnung Jordan Hawkins wurde nach Memphis verschifft, dafür kam AJ Johnson. Ein Talent, das nun schon bei seiner vierten Franchise geparkt wird – Wandervogel-Status mit Anfang 20.
Aus einem sommerlichen Ausrutscher hat Dumars kurzerhand eine lückenlose Serie gemacht.

Schlüsselspieler
Das Herzstück bleibt das altbekannte Trio – nur dass sich plötzlich ein neuer Passgeber dazugesellt: Zion Williamson wirkte letzte Saison schon erstaunlich fit, hat er diesen Sommer noch mal nachgelegt. Der Kerl erinnert optisch an seine College-Tage bei Duke: eine wandelnde Naturgewalt aus Muskeln. Wenn der Körper diesmal hält, bekommen wir vielleicht endlich den Zion, auf den wir seit 2019 warten. Träumen wird man ja noch dürfen – viel mehr bleibt einem als Fan sowieso nicht übrig.
Und Trey Murphy III? Als primärer Ballhandler war er zwar sichtlich überfordert, doch als zweite oder dritte Option bleibt er eine Augenweide. Wenn er heißläuft, macht Basketball in New Orleans kurzzeitig sogar Spaß.
Abschließend Derik Queen (DQ) – letztes Jahr noch mein persönlicher Albtraum, heute schon der Hoffnungsträger. Traurig, aber wahr: Offensiv ist das Balsam für die Augen. Touch am Brett, feine Midrange und ein Auge für Mitspieler, das man bei einem Big Man selten sieht. Defensiv? Zeigt er genau das, was zu befürchten war: absolut gar nichts.
Blick nach vorn
Der spielerische Horizont bleibt bewölkt. Mit Dejounte Murray kehrt zumindest ein echter Floor-General zurück, um die Offensive zu ordnen. Doch die Formel bleibt dieselbe: Gib Zion den Ball, lass ihn als menschliche Abrissbirne in die Zone pflügen und hoffe auf Abpraller.
Der Haken: Statt Dreierspezialisten stehen da draußen gefühlt lauter Midrange-Romantiker. Mathurin bringt zwar frische Wucht von der Bank, doch ob der neue Coach Jamahl Mosley seine gefürchtete Defensiv-Magie auf diesen Haufen übertragen kann, bleibt die Frage des Jahres. Immerhin: Kontinuität schlägt manchmal Talent. Die Jungs kennen sich inzwischen.
Fazit
Die Tragikomödie geht in Staffel zwei. Wenn die Knochen halten, sind vielleicht 33 Siege und Platz 12 im Westen drin. Und jetzt kommt der Treppenwitz: Durch die neue Lottery-Reform, bei der niemand mehr mit Absicht verliert, könnte genau dieser trostlose 12. Platz plötzlich Gold wert sein, um über Umwege die besten Draft-Chancen abzugreifen. War das am Ende gar keine Inkompetenz, sondern 4D-Schach von Joe Dumars?
Nein, wahrscheinlich nicht. Aber die Ausrede steht schon mal.
