…von Marcel (Bluesky)
Rückblick
Die vergangene Saison begann mit‘nem Wow-Effekt, denn Premium-Rookie VJ Edgecombe präsentierte sich als genau das – premium: Beim Auftakt-Sieg in Boston zog der Guard alle in seinen Bann und die 76ers waren plötzlich wieder sexy bzw. in aller Munde – sogar über Philadelphias Grenzen hinaus.
Ansonsten bekamen die Fans das Gewohnte: Einen sich aufopfernden Tyrese Maxey (keiner in der NBA ging mehr Minuten), glorreiche Siege, ernüchternde Niederlagen und all das inklusive langer Abwesenheiten der Alt-Stars. So standen Joel Embiid lediglich 38 (Verletzung) und Paul George (Sperre, Verletzung) nur 37 Partien zur Verfügung. Die Regular-Season endete im PlayIn, das jedoch problemlos gemeistert wurde.
Umso heroischer kam die erste Playoff-Runde daher, als das Team von Nick Nurse dank Embiids Rückkehr ab Spiel 4 und Tatums Fehlen in Spiel 7 ein 1:3-Rückstand drehte. In Runde 2 blieb gegen den späteren Meister aus dem Big Apple dann nicht mehr viel übrig (0:4).
Offseason
Die zweite Playoff-Runde – mehr scheint für diese Franchise aktuell nicht zu gehen. Nicht mit dem teuren und nur selten verfügbaren Trio aus Maxey, Embiid und George. Daryl Morey hat das Team in eine Sackgasse manövriert und niemand glaubte daran, dass die nahe Zukunft Erfolg bringen könnte – trotz des hochtalentierten Backcourts und der (theoretischen) Qualitität im Roster.
Dass Daryl Morey gehen musste, war also folgerichtig. Umso überraschender war dessen Nachfolger Mike Gansey, seines Zeichen lange in Cleveland tätig – allerdings nie als President of Basketball Operations. Mit Dean Wade brachte er gleich einen veritablen Forward mit und draftete Guard Labaron Philon Jr. an #22.
Die bis dato größte Überraschung folgte aber, als Shams Sharania den Trade für Jaylen Brown verkündete. Dass der für Paul George und Picks zu haben war, wirkte auf den ersten Blick surreal. Doch dieser Knall verhallte nur wenige Wochen später: Denn LeBron James entschied sich, seine Karriere bei den 76ers fortzusetzen. Boom! Plötzlich wurde aus dem PlayIn-Kandidaten ein veritabler Contender. Zumindest auf dem Papier.
Dass es noch weitere Verstärkungen für die Rotation gab, ging dabei oft unter. Zudem verließen wichtige Rollenspieler South-Philly – doch beides würde hier den Rahmen sprengen.

Schlüsselspieler
LeBron James oder Jaylen Brown? Möglich. Entscheidend wird aber sein – und auch das kennen Fans der 76ers seit Jahren – wie gesund Joel Embiid durch die Saison kommt. Denn ohne den ehemaligen MVP wird das Team nichts mit den Finals zu tun haben. Demnach kann man sich also schonmal davon verabschieden. Oder doch nicht?
Hoffnung machen die Aussagen vieler aus dem Umfeld von Embiid, wonach er noch nie so motiviert und fit war. Und das aus zwei Gründen: Die Verstärkungen und Chancen des Teams sowie die Tatsache, dass er seit vielen Jahren mal wieder gesund in eine Offseason ging – sich also ausschließlich auf Training und Basketball konzentrieren konnte. Und ja, so sieht er auch aus.
Blick nach vorn
Auf dem Papier ist es wohl das beste Team, das die 76ers seit langem zusammen haben – mit Abstand. Wie es auf dem Hartholz agieren wird, bleibt abzuwarten…denn: Viele Egos und nur ein Ball. Ich bin gelassen, da Nurse weiterhin zu den besten Headcoaches der Liga zählt, alle sich der Chance bewusst sind und James wohl eher als elitärer Glue-Guy fungieren wird – hat er sich doch bewusst für das Team entschieden, auch in dem Wissen um die verfügbaren Rollen. Und: Als extrem spielintelligenter Premium-Veteran wird er auch in kleiner Rolle sowie offcourt positiven Einfluss ausüben.
Fazit
Finals-Basketball? Das sehe ich nicht. Immerhin: Bescheinigten viele Experten und Fans den 76ers vor dem Sommer noch ein resignierend-holpriges „Weiter-So“ inklusive bekanntem Ausgang, löst die nahe Zukunft nun Vorfreude bei den Fans aus – und das liegt für mich weniger an Berufspendler James, sondern vielmehr an dem gesamten Turnaround, angefangen beim Front-Office. Dazu passend präsentierte Philadelphia die ersten Bilder der neuen Arena. Fetzt!
