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Kurz-Preview: Pelicans

…von Michael (Instagram)

Rückblick
Frühjahr 2024, New Orleans: Die Pelicans scheitern im Play-In an den Lakers (110:106), trotz eines bärenstarken Zion Williamson. Der Frust ist groß, die Ambitionen größer: „Nächstes Jahr keine halben Sachen mehr, direkter Playoff-Einzug!“, so das Mantra.
General Manager David Griffin beginnt den Kader-Umbau mit chirurgischer Präzision – oder zumindest mit einem Skalpell aus dem Ramschladen. Veteranen wie Larry Nance Jr. und Jonas Valančiūnas müssen gehen. Auch das vielversprechende Nachwuchstalent Dyson Daniels wird im Tausch für Dejounte Murray verschifft. Klingt nach einem Neuanfang? Denkste. Denn außer einer Menge heißer Luft passiert erstmal: nichts. Die nächste Bewegung kommt spät – Brandon Ingram wird abgegeben. Was bleibt, ist ein Kader, der aussieht, als hätte jemand das NBA-2K-Franchise-Modus-Feature „Automatisch auffüllen“ gedrückt. Und als wäre das nicht genug, startet auf der Fünf ein Rookie: Yves Missi. Kein Hate – aber „Projekt“ trifft es besser als „Starter“.

Das sportliche Ergebnis? Ein statistisches Trauerspiel: Offensiv-Raiting 110.4 (Platz 26), Defensiv-Raiting 119.9 (Platz 29), Net-Raiting -9.5 (Platz 24) sowie einer Bilanz von 21-61 und Platz 14 im Westen. Wie konnte das passieren?
Die Antwort ist simpel – und hat irgendwie schon Tradition: Der berüchtigte Pelicans-Fluch. Von 820 möglichen Einsätzen ihrer 10er-Rotation gingen ganze 395 Spiele verloren. Statt Kontinuität gab’s Chaos: 25 verschiedene Spieler liefen für die Pelicans auf.
Das Highlight der Saison? Nicht etwa ein Gamewinner von Zion. Sondern Elfrid Payton, der am 25. November aus dem Basketball-Nirwana zurückkehrt, ein Double-Double auflegt und dabei satte 21 Assists verteilte. Da kann man schon mal nostalgisch werden.

Offseason
Nach dem Desaster-Jahr zieht das Front-Office die Reißleine. GM David Griffin wird gefeuert – sein Nachfolger? Joe Dumars, Held vergangener Pistons-Tage. Klingt erstmal gut. Blöd nur: Die Meisterschaft, auf die er sich beruft, liegt 21 Jahre zurück. Also ungefähr so aktuell wie ein iPod Nano. Immerhin: Die ersten Moves sind solide. CJ McCollum wird durch Jordan Poole ersetzt. Der Shooting-Guard hat zwar in Washington lieber Würfe als Siege gesammelt, soll jetzt aber in New Orleans wieder funktionieren. Kann klappen – muss aber nicht.

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Dann kommt der Draft Day – und mit ihm der Moment, in dem aus Ernüchterung blankes Entsetzen wird: Die Pelicans rutschen in der Lottery auf Platz 7, wo sie mit Jermiah Fears einen soliden Aufbauspieler wählen – fair. Und: Pick #21 gehört ihnen ebenfalls. Doch dann geschieht’s: New Orleans tradet diesen Pick und einen der wertvollsten zukünftigen Erstrundenpicks (entweder von ihnen selbst oder den der eventuell Giannis-losen Bucks) für Pick #13.
Wer jetzt einen zukünftigen Star erwartet, sollte besser wegsehen. Der Auserwählte heißt Derik Queen – ein Big-Man mit denselben Stärken wie Zion, nur in Zeitlupe. Redundanz ahoi!
Anschließend werden noch Saddiq Bey und Kevon Looney verpflichtet – stabile Rollenspieler, aber keine Gamechanger. Ach ja, und der Fluch? Lebt natürlich weiter.
Dejounte Murray reißt sich die Achillessehne und auch Rookie Queen verpasst den Saisonstart verletzt.

Schlüsselspieler
Das Trio um Zion Williamson, Trey Murphy III und Herb Jones bleibt der letzte Hoffnungsschimmer. Doch damit aus Hoffnung Realität wird, müssen alle drei vor allem eines: gesund bleiben. Und das wäre ja fast schon revolutionär im Big Easy. Wobei vor allem Zion mit enormem Gewichtsverlust am Media Day glänzte.

Blick nach vorn
Während in der letzten Saison noch große Töne gespuckt wurden, gibt sich GM Dumars mittlerweile demütig. Am Media Day erklärt er: „Es wäre kurzsichtig, jetzt direkt die Playoffs angreifen zu wollen.“ Klingt vernünftig – wäre da nicht die Kleinigkeit, dass er genau den Pick getradet hat, der das einzige Argument für eine Tanking-Saison gewesen wäre. Also doch wieder: Playoffs, irgendwie. Realistisch? Eher Platz 13 und 30 Siege, wenn alles glatt läuft.
Was wäre der Plan? Zion gesund halten, rundherum Shooting pflanzen, Defense ignorieren – und hoffen, dass der Gegner mehr danebenwirft als man selbst.

Fazit
Zwischen Fluch und Farce, denn die Pelicans stehen am Abgrund – und haben versehentlich den Turbo eingeschaltet. Ein unbalancierter Kader, ein harter Westen und ein Front-Office, das „Asset Management“ offenbar für ein neues Fitnessgerät hält.
Aber hey, irgendwo zwischen Draft-Fiasko und Achillessehnen-Drama steht Zion Williamson mit durchtrainiertem Body im Rampenlicht. Vielleicht, nur vielleicht, beginnt hier das Wunder von New Orleans. Und wenn nicht? Dann gibt’s wenigstens nächste Saison wieder einen hohen Pick – äh… Moment…

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