„Wir alle fühlten uns ziemlich sicher und ehrlich gesagt hatte ich das Gefühl, dass Orlando den Zuschlag bekommen hätte, wenn es in Florida nur ein einziges Expansion-Team gegeben hätte“, sagte Bürgermeister Bill Frederick am 22. April 1987 zur Komitee-Entscheidung, Miami und Orlando in der NBA aufzunehmen.
Es war ein letzter Seitenhieb in Richtung Miami, dem zahlreiche verbale und mediale Fehden vorausgingen – von beiden Seiten aus. Den Blick auf das Wesentliche gerichtet ergänzte er: „Die Menschen in Orlando verdienen die Anerkennung – es ist ihre Begeisterung und ihre Unterstützung, die dieses Team hierherbringen.“
Die war tatsächlich enorm. Denn für die im August 1988 fertiggestellte Amway Arena gingen bei den Orlando Magic im Vorfeld bereits 14.785 Ticket-Anfragen ein – für eine wohlgemerkt 15.500 Personen fassende Halle. Premium-Zahlen! Die präsentierte Pat Williams dem NBA-Commissioner ebenso euphorisch wie die ersten Sitzkissen der Arena.
Ein kurzer Rückblick: Zwölf Jahre lang war Pat Williams General Manager der Philadelphia 76ers, wurde mit dem Team 1983 Meister und suchte aus Frust, keine neue Dynastie aufgebaut zu haben, Mitte der Achtziger nach einer neuen Herausforderung.
Bei einem Treffen im September 1985 in Texas mit Geschäftsmann Jim Hewitt bot sich genau das: Williams wurde von dessen aufregender Idee angesteckt, ein NBA-Team nach Orlando zu bringen – mit dem Ergebnis, dass Williams kündigte und beide am 19. Juni 1986 ihre Idee bei einer Pressekonferenz öffentlich machten.
Das Geld dafür war vorhanden. Denn neben Jim und auch Bob Hewitt – beide in der Immobilienbranche Orlandos erfolgreich – waren lokale Zitrus-Größen Jim und Steve Caruso, CEO einer Investment- und Managerfirma im Gesundheitsbereich Don Dizney sowie William DuPont ebenfalls Teil der Investmentgruppe, seines Zeichen Mitglied der einflussreichen DuPont-Familie.
Wartezeit auf dem Flughafen und ein Telefonat mit Magic Johnson
Eine neue Halle, großes Interesse der Fans und finanzstarke Investoren – fehlte nur noch ein Name für das neue Team. Wie üblich gab es auch in Orlando eine Umfrage. So gingen beim Orlando Sentinel 4.296 Einsendungen ein, von denen es vier Finalisten auf den Tisch der Verantwortlichen schafften: Heat, Tropics, Juice und Magic.
Zur gleichen Zeit war Williams‘ siebenjährige Tochter Karen zu Besuch in Orlando, genoss die zahlreichen Attraktionen und sagte zu ihrem Vater während des Wartens auf ihren Rückflug nach Philadelphia: „Ich mag den Ort wirklich. Er ist magisch.“ Boom!
Davon berührt brachte es Williams später folgendermaßen auf den Punkt: „Wir dachten, es ist die beste Art Orlando zu beschreiben.“ Zumal für die Verantwortlichen bei Heat etwas Negatives mitschwang, Tropics eher für Süd- nicht aber Zentral-Florida stand und Juice unpassend erschien, nachdem ein harter Winter damals die regionale und für den Wirtschaftsstandort so wichtige Zitronen- und Orangenernte arg dezimierte.
Was fehlte, war natürlich ein Anruf bei Magic Johnson – dem absoluten Megastar der damaligen NBA und Williams verriet der L.A. Times dessen Reaktion: „Er sagte, er fühle sich sehr geschmeichelt, dass ein Team nach ihm benannt worden sei.“
Am 27. Juli 1987 gaben die Verantwortlichen schließlich den offiziellen Namen bekannt: Orlando Magic.
Es fügte sich und vieles sprach einfach für Orlando als neuen NBA-Standort – auch mit Blick auf die damals angenommene Tatsache, dass es nur ein Team in Florida geben wird. Davon war auch Williams überzeugt: „Ich glaube, das wird ein Team vom Typ Portland, Phoenix oder Salt Lake City. Es wird also ein Team des Bundesstaates Florida sein. Denn ich sehe hier eine großartige Zukunft für die NBA. Wir sind derzeit der 27. größte TV-Markt des Landes und in zehn Jahren werden wir der 18. oder 19. sein.“
Das war nicht immer so. Anfangs hielt Williams die Mitbewerber aus Miami und Tampa für besser geeignet – im Vergleich zu den beiden Städten war Orlando ein kleiner Ort ohne relevanten Flughafen oder passender Arena.
Dennoch glaubte er an das Projekt – so sehr, dass er schließlich Nägel mit Köpfen machte und mit seiner Frau und den sechs Kindern nach Zentral-Florida zog.
„Es erschien wie die ultimative Herausforderung, in eine neue Stadt zu gehen und bei null anzufangen. Ich wusste, dass sich eine solche Gelegenheit nicht noch einmal bieten würde und ich bereue es bis heute nicht.“, sagte im Nachhinein. Und die Geschichte gibt ihm bis heute Recht – seit der Saison 1989/90 sind die Orlando Magic beliebter Teil der NBA-Familie.
