Dass am South Beach mal NBA-Basketball zu Hause sein wird, war definitiv keine Selbstverständlichkeit. Denn obwohl es eine äußerst kompetente und wohlhabende Besitzergruppe sowie das Engagement der Stadt Miami gab, empfahl das Expansion-Komitee der NBA am 02. April 1987, nur ein Team für Florida in Betracht zu ziehen – unabhängig vom Zeitpunkt: So stand neben Miami noch Orlando in der engeren Wahl. Zu Beginn war auch noch Tampa Bay ein Thema.
Für diese wegweisende Entscheidung wollte man sich bei der NBA viel Zeit lassen, was Pat Williams – seines Zeichen Manager der Gruppe, die ein Team nach Orlando bringen wollte – zu folgender Wortwahl veranlasste: „Es war, als würde man in Florida einen Bürgerkrieg auslösen, als sie sagten, sie würden sechs Monate warten, um zwischen Orlando und Miami zu entscheiden.“
Glücklicherweise kürzte die NBA das Verfahren ab und verkündete am Mittwoch, den 22. April 1987, dass der fünft bevölkerungsreichste Bundesstaat schließlich Platz für zwei NBA-Teams hätte – eines zur Saison 1988/89, das andere ein Jahr später. Präsident, Mehrheitseigner der Phoenix Suns und zugleich Vorsitzender des Expansion-Komitees Richard Bloch berichtete, am Dienstag sei deutlich geworden, dass sowohl Orlando als auch Miami ein Team bekommen würden und ergänzte mit Bezug auf seine Termine bei den beiden Bewerbern sechs Wochen zuvor: „Ich reiste mit der Überzeugung ab, dass wir zwei dynamische Städte und zwei großartige Regionen haben.“
Das Miami-Syndrom und die Florida Heat
Neu war Basketball in Miami nicht. Zwischen 1968-1972 zogen die Floridians mehr oder weniger Fans in die verschiedenen Hallen der Stadt. So spielte das ABA-Team mal in einem ehemaligen Hangar, dann in einem Junior-College und später auch in Tampa oder Jacksonville – eine Idee des damals neuen Besitzers Ned Doyle, um aus dem lokalen Team eines für ganz Florida zu machen. So strich er auch „Miami“ aus dem Namen. Erfolge und volle Hallen? Fehlanzeige.
Nach der Auflösung des Teams sollte es also mehr als zehn Jahre dauern, bis Fans wieder von einem Team in Miami träumen durften. Dabei gab es mehrere erfolglose Versuche, eine NBA-Franchise in die Stadt zu locken. Der damalige Bürgermeister Xavier Suarez war nach der Entscheidung pro Miami auch sichtlich erleichtert: „Im Laufe der Jahre gab es etwas, das manche Leute das Miami-Syndrom genannt haben – die Unfähigkeit, Projekte zu Ende zu bringen –, und ich denke, das ist inzwischen vollständig überwunden.“
Suarez selbst war Absolvent in Villanova (Philadelphia) und bekräftigte aus eigener Erfahrung heraus, „welchen Geist und welche Begeisterung eine Stadt durch ein Team entwickeln kann.“ Und das war in Miami spürbar, denn die Miamians sowie die Verantwortlichen rund um das Projekt hatten große Lust auf die Florida Heat – ein Name, der anfangs im Glauben um nur ein Expansion-Team für Florida entstanden ist. Und die „Heat“ waren das Resultat einer Umfrage aus dem Jahr 1986 – andere Einsendungen waren u.a. Alligators, Suntans, Barracudas oder Vice.
Neben einem passenden Namen – nun Miami Heat, um die Stadt sowie das lokale Klima zu repräsentieren – und das daraufhin vom lokalen Künstler Mark Henderson kreierte Logo stand dem Team dank der Stadt Miami und privater Investoren ab April 1988 eine neugebaute, $50 Millionen teure Halle in Downtown Miami für 15.000 Zuschauer zur Verfügung. Die Vorfreude auf NBA-Basketball in Miami war riesig und spiegelte sich in 8.300 Vorbestellungen für Saisontickets wieder. Das sprach Bände und City-Manager César Odio wurde am besagten 22. April nahezu pathetisch: „Ich habe wirklich das Gefühl, dass dies ein großartiger Tag für Miami ist. Ich fühle mich wie ein werdender Vater, der gerade ein Baby bekommen hat.“
Auch Zev Buffman schlug in die gleiche Kerbe: „Ich glaube, der 22. April wird in die Geschichte Südfloridas als einer der großen Tage eingehen – ein historischer Tag.“ Der vermögende Produzent war zusammen mit dem milliardenschweren Geschäftsmann Ted Arison der investierende Part der Eigentümergruppe – die sportliche Expertise brachten der Meistertrainer der 76ers Billy Cunningham sowie der ehemalige General Manager der New Jersey Nets Lewis Schaffel ein.
Eine Gruppe, die zusammen mit der engagierten Stadt Miami sowie dem einsichtigen Expansion-Komitee der NBA einiges richtig gemacht haben, sodass der South Beach zur Saison 1988/89 endlich eine Heimat für NBA-Basketball wurde.
