Mussten interessierte Investoren 1980 noch ca. $12 Millionen auf den vielzitierten Tisch legen, brauchte es acht Jahre später bereits $32.5 Millionen, um eine neue Franchise in der NBA zu etablieren. Der damalige stellvertretende Leiter der NBA-Rechtsabteilung Bill Jemas führte einige Faktoren dafür an – unter anderem die Preise, die bei vorigen Franchise-Verkäufen aufgerufen wurden. Zusammen mit den zu erwartenden Gewinnen sei dies eine Hausmarke, mit der Neubesitzer leben könnten, so der NBA-Offizielle.
Tatsächlich schreckte diese Summe keine der interessierten Investorengruppen ab – nicht in Florida, auch nicht im kalten Norden. Und schon gar nicht in North Carolina, wo Selfmade-Millionär und Geschäftsmann George Shinn posaunte: „Das macht mir keine Angst. Irgendjemand bot $35 Millionen für die New Jersey Nets und die gewinnen nicht mal.“
Shinn wurde unweit von Charlotte geboren und arbeitete sich von unten nach oben, bis er als Eigentümer zweier Autohäuser, eines Buchverlages und so mancher Immobilien die Idee hatte, ein Football-Team nach Charlotte zu holen. Als das scheiterte, lag Basketball nahe – denn North Carolina atmete das orangene Leder bereits auf College-Ebene.
Die Frage war nur: Ist Charlotte mit seinen damals nur 400.000 Einwohnern groß genug für beides? Für NBA- und für College-Basketball? Shinn blieb optimistisch und scharrte mit Medien-Unternehmer Cy Bahakel und dem vermögenden Autohändler sowie NASCAR-Sponsor Ricky Hendrick zwei starke Partner um sich und betonte, dass rund um Charlotte eine Millionen Menschen wohnen – im Umkreis von zwei Autostunden sogar 5.5 Millionen. Somit sei Charlotte der größte Standort des Landes ohne ein Profi-Team.
Das war korrekt – dennoch blieb Charlotte aus NBA-Sicht ein kleiner Markt. Shinns Einstellung dazu: „Wir sind der Spud Webb der NBA. Weil wir kleiner sind, müssen wir besser sein.“
Ein Ass im Ärmel und die Nadelstreifen
Nur wie? Das wusste Shinn definitiv. Denn er hatte zusammen mit der Stadt Charlotte ein betongewordenes Ass im Ärmel: Das Charlotte Coliseum – eine neu gebaute, $47.5 Millionen teure, zwischen zwei Highways gelegene State-of-the-Art-Arena für 23.000 Basketball-Fans, die pünktlich am 11. August 1988 eröffnet wurde.
Eine Halle für so viele Fans bei einem NBA-Spiel? Das bot zum damaligen Zeitpunkt keine andere Stadt. Und der Clou daran: Das Team erhielt von der Stadt Charlotte ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnte – nämlich einen Fünf-Jahres-Mietvertrag mit einer Option auf weitere fünf Jahre, bei dem das Team nur $1 pro Spiel an Miete zahlen muss. Den Mietkosten von $41 pro Saison standen zudem 8.637 verkaufte Saisonkarten gegenüber – wohlgemerkt vor dem „Go“ des Expansion-Komitees. Danach kamen noch 5.000 Tickets hinzu. Abgerundet wurde dies von $50-250 pro Ticket, die nicht mehr erstattet werden konnten – selbst wenn die Stadt nicht den Zuschlag erhalten würde, was zeigt: Die Menschen hatten große Lust auf die Charlotte Spirit.
Spirit? Korrekt. Aber der ursprüngliche Name hatte nicht lange Bestand, da er bei den Fans recht unbeliebt war. Ein Voting brachte schließlich sechs Finalisten hervor: Knights, Hornets, Cougars, Crowns, Stars und dann doch wieder Spirit. Mit Blick auf den Spitznamen der Stadt während der Amerikanischen Revolution gewann Hornets aber mit großem Abstand – so bezeichnete der britische General Cornwallis die sich heftig wehrende Stadt als „Hornissen-Nest der Rebellion“.
Rund machte den Hype um die Hornets der aus Charlotte stammende und international bekannte Designer Alexander Julian mit seinen Jerseys für das Team: Das als „Teal“ bekannte Blaugrün in Kombination mit den Nadelstreifen war ein absoluter Hingucker und zugleich Vorreiter für andere Trikotentwürfe Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger.
Trotz guter Argumente gab George Shinn wenige Tage vor der Entscheidung folgendes zu Protokoll: „Ich bin nervös und werde erst nach dem kommenden Mittwoch feiern. Die Team-Besitzer sind wohlhabende Geschäftsleute, die erfolgreich sind, weil sie ihre eigenen Entscheidungen treffen.“
Das Bangen hatte am 05. April 1987 ein Ende: Denn David Stern rief Shinn an diesem Sonntag an und teilte ihm mit, dass er und seine Partner mit ihren Charlotte Hornets das 24. Team der NBA sein werden und zur Saison 1988/89 Teil des Spielplans sind.
