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Kurz-Preview: Trail Blazers

…von Markus (Instagram)

Rückblick
„Nicht mal anständig tanken können sie“, stöhnten viele Fans der Portland Trail Blazers zum Ende der Saison. Der Grund: 2025 stand die stärkste Draftklasse seit einiger Zeit in den Startlöchern und Portland war trotz schlechtem Start am Ende nicht schlecht genug. Wie würde Cooper Flagg in einem Ripcity-Jersey aussehen? Die Frage stellte sich dann nicht mehr, denn das Team hat in der zweiten Saisonhälfte einfach 23 Siege bei 18 Niederlagen geholt und man erwischte sich sogar kurz dabei, vom Play-In zu träumen. Am Ende wurde es aber dann doch Platz 12 im Westen mit einer Bilanz von 36-46.
Wie kam’s zu der Verbesserung? DEE-FENSE und DENI! Head-Coach Chauncey Billups hat dem Team gesagt, er setze fortan nur noch diejenigen ein, die verteidigen und „competen“. Hat funktioniert. Saisonhälfte eins: 117.1 Defense-Rating (25. Platz). Saisonhälfte zwei: 110.2 Defense-Rating (3. Platz) und eine All-Defense-Team-Auszeichnung (2nd) für den Belgier Toumani Camara.

In der Offensive wurde gnadenlos auf’s Gaspedal gedrückt – allen voran Deni Avdija. Der Israeli, der gerade auch eine hervorragende Eurobasket spielte, hat in den letzten 16 Spielen 25 Punkte, 10.5 Rebounds und 5.5 Assists aufgelegt. Wie bitte?

Offseason
Diese zweite Saisonhälfte hat dem bisher erfolglosen Chauncey Billups und dem wenig überragenden GM Joe Cronin gehörig den Hintern gerettet – nach Jahren der völligen Stagnation haben beide trotzdem ihre Vertragsverlängerungen bekommen. Der Plan ist klar: Den drittjüngsten Kader der Liga weiterentwickeln. Und zwar mit der Devise „mehr vom Gleichen“ im Turboboost.

Abgegeben wurde „20-Punkte-ohne-Defense“ Anfernee Simons für „11-Punkte-Mega-Defense-und-Leadership“ Jrue Holiday inkl. dessen üppigen Vertrag. DeAndre Ayton mit seinen mehrfachen Teamstrafen für Verspätungen inkl. fragwürdiger Einstellung wurde auf dessen Wunsch hin aus seinem Vertrag herausgekauft – und zwar in einer Höhe, die es brauchte, um einen Mid-Level-Vertrag anbieten zu können.
Und was machte Portland mit dem Geld? Seinen verletzten Helden aus besseren Tagen zurückholen: Damian Lillard, der in der kommenden Saison nicht spielen wird und dann als 36-Jähriger mit überstandenem Achillessehnenriss (vielleicht) zurückkommt. Man kratzte sich als Portland-Fan wahrscheinlich viel am Kopf in der Offseason. Das erreichte bedrohliche Ausmaße, als die Franchise dann in der Draft auch noch ZURÜCK tradete, um an Nr. 16 den Chinesen Hansen Yang (20) zu ziehen, der laut allen Experten ein Kandidat für die 2. Runde gewesen wäre.

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Underrated move: Tiago Splitter wurde als Assistant-Coach verpflichtet, der in Paris als Head-Coach für Aufsehen sorgte und die Spurs-DNA mitbringt. Zudem gab es eine weitere gute Nachricht: Die Trail Blazers wurden nach langen Jahren der Ziellosigkeit durch Paul-Allen-Erbin Jody Allen an eine Investoren-Gruppe um Tom Dundon verkauft. Dieser will die Franchise wohl dort halten und einen Gewinner daraus machen. Fingers crossed.

Schlüsselspieler
Nächste Saison wird kein einzelner Star auf dem Parkett stehen. Denn das Team ist der Star. Aber einige könnten einer werden: Deni Avdija vorneweg – dahinter die talentierten Shaedon Sharpe und Scoot Henderson. „Stars in ihren Rollen“ sind Edelverteidiger Toumani Camara mit verbesserter Offense und vielleicht Center Donovan Clingan.

Außen vor ist Jerami Grant, der was kann aber nicht passt – allerdings starten will und für den es einen Trade geben muss. Ähnlich wie Robert Williams III, um dessen Gesundheit man leider in jeder Sekunde fürchten muss.

Blick nach vorn
Die Richtung ist klar: Auf der zweiten Saisonhälfte aufbauen und hoffen, dass irgendwer offensiv regelt. Das Team könnte eine Defense-first-Identität entwickeln und zu einem spannenden Gegenentwurf zum unendlichen Offensiv-Basketball werden. Eine Gewinner-Mentalität wird durch elitäre Veteranenpräsenz namens Damian Lillard und Jrue Holiday eingeimpft. Und die größte Frage im Hintergrund: Welchen Einfluss wird der neue Eigentümer Tom Dundon nehmen.

Fazit
Nimmt man all das zusammen, kommt ein spannender Mix raus, der die Fans hoffen lässt, dass die dunklen Jahre vorüber sind. Als sichtbarstes Zeichen gilt die Wiederverpflichtung von Lillard, der aber wiederum nicht spielt. Der lange Rebuild mit elendigem Tanking ist wahrscheinlich Geschichte. Aber es gibt zu viele ungelöste Fragen: Scoring? Konstanz? Grant? Point-Guard? Sharpe? Scoot? Entwicklung? Einfluss des neuen Eigentümers?
Es müsste sehr viel passen, wenn Portland im starken Westen ins Play-In kommt, geschweige denn in die Playoffs. Aber es braut sich was zusammen im Nordwesten: Die Trail Blazers sind auf dem Weg, wieder jemand zu werden.

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