…von Svenno (Bluesky)
Rückblick
“What’s going on in Utah?” Mit dem Satz orakelte Brian Windhorst nach dem Royce O’Neill Trade zu den Nets im Sommer 2022 einen großen Umbruch bei den Jazz herbei. Der kam dann auch. Die Allstars Gobert und Mitchell wurden verschifft und spielen erfolgreichen Playoff-Basketball in Cleveland und Minnesota. Der Rest wurde in der Liga verteilt.
Dafür kamen außer Lauri Markkanen und Walker Kessler keine passenden Puzzleteile. Immerhin brachte es eine Menge Draft-Picks ein. Alles wurde auf links gedreht und die Jagd auf die Wembys und Flaggs eröffnet. Leider stellte sich bisher keiner der Picks als Knaller heraus. Das Lottery-Pech klebt an den Jazz. Letztes Jahr: Schlechtestes Team der Saison und Cooper Flagg geht zu den Mavericks. Das ist nichts Neues. Utah erhielt seit 2010 nur fünfmal einen Top-Ten-Pick. In den Top-Five holten die Jazz nur Enes Kanter Freedom (#3), Dante Exum (#5) und in diesen Sommer Ace Bailey (#5).
Offseason
Mittlerweile sammeln sich eine Menge junge Talente bei den Jazz. Dieses Jahr drafteten sie die Highlight-Machines Ace Bayley und Walter Clayton Jr. – sie gesellen sich zum Kern um Markkanen, Kessler, Keyonte George und Isaiah Collier.
Aufgefüllt wurde der Roster mit bekannten Veteranen höheren Alters: Kevin Love, Jusuf Nurkic und Kyle Anderson. Am Ende der Bank sitzt der “Minivan” Georges Niang, den die Fans sehr gern wieder bei den Jazz sehen – er bringt ein wenig Glue und Erfahrung in die Kabine.
Kessler bekam erstmal keine Verlängerung in der Offseason. Das hat aber eher mit Finanz-Voodoo und Cap-Hold zu tun. Es gibt ligaweit Interesse an dem Center – die Jazz wollen aber mit ihm weiterarbeiten und er wohl auch. Orchestriert wird das junge Team vom ebenfalls jungen Trainer Will Hardy (38), der in der Offseason bis 2031 verlängerte.
Dagegen verließen Spieler wie John Collins, Collin Sexton oder Jordan Clarkson das Team, die lange zum festen Kern der Jazz gehörten.

Schlüsselspieler
Utah hat mit Markkanen das Beast, das wir alle bei der EM im Sommer bewundern konnten. Kessler ist ein solider Rollenspieler und von der Bank kommen diverse Musterprofis, die spielen, wie es der Coach verlangt.
Die Rookies der letzten Jahre werden einen Sprung machen. Besonders bei Kyle Filipowski und Taylor Hendricks blitzte schon letztes Jahr durch, dass sie das Zeug zu Rotation-Spielern haben.
Der Druck auf die voraussichtlichen Starter-Guards George und Collier lastet sicher schwer. Die Saison wird zeigen, ob sich die beiden in der NBA etablieren können.
Dahinter scharren Clayton Jr. und Brice Sensabaugh mit den Füßen. Ersterer hat auf dem College schon Andy-Obst-Vibes gezeigt – hier muss abgewartet werden, wie es passt. Genauso wie bei Ace Bailey – der startet wahrscheinlich auf dem Flügel. Wie das funktioniert, müssen wir im Herbst beurteilen.
Blick nach vorn
Der Roster wirkt wie ein Jugend-forscht-Ausflug mit ein paar älteren Schülern, die aufpassen, dass es nicht aus dem Ruder läuft. Das Ziel ist klar: Nur nicht zu viele Spiele gewinnen. Der Superstar, der nur durch den Draft nach Salt Lake City kommen wird, ist noch nicht Teil des Teams. Und ob das nach der Saison noch genauso aussieht wie jetzt, bleibt fraglich.
Die Jazz brauchen den dicken Vertrag von Markkanen, da der Rest sehr günstig ist. Sie müssten einen Spieler ähnlicher Gehaltsklasse aufnehmen, falls der begehrte Finne bei einem anderen Team anheuern soll. Sonst reichen die Plätze im Kader nicht aus und sie müssen ggf. einen ihrer Youngsters abgeben. Und wer gibt schon einen Spieler mit dickem Vertrag ab, den die Jazz haben wollen und der Lauri outperformed?
Es gilt wie immer: Alles kann, nichts muss. Trader-Danny wird traden. „Großwild“ oder „Picks sammeln“ ist das ausgerufene Ziel der Franchise. Hier sind Profis am Werk – sie brauchen nur ein bisschen Glück.
Fazit
Am Ende einer sicherlich unterhaltsamen Saison stellen sich die Jazz in der Lottery weit vorn an. Wenn Ace Bailey sich als Brandon-Ingram-Klon herausstellt und Clayton Jr. vielleicht sogar Curry-Vibes versprüht, wird in Utah etwas Schönes heranwachsen. Aber es grenzt an Kaffeesatzleserei, daher: Einfach genießen.
Die Geschichte lehrt uns, dass junge Talente viele Spiele verlieren. Das passt in den Plan am Salzsee.
