Vor ungefähr einem Jahr sprach ich mit Lilly darüber, wie sie zum Basketball kam, was ihr an dem Sport gefällt und ob sie sich auch zukünftig mit dem orangenen Leder in der Hand sieht (Interview, Teil I).
Mittlerweile ist sie als 1.88m große Center-Spielerin fester Bestandteil des Damen-Teams, spielt regelmäßig Oberliga-Basketball und hat beim noch jungen Potsdamer Verein KINGS&QUEENS ihre basketballerische Heimat gefunden. Nun sprach ich mit ihr über die abgelaufene Saison, ihre Entwicklung und was es bedeutet, als Jugendliche im Verein Basketball zu spielen.
Gleich vorab: Die Herren sind nun vorzeitig aufgestiegen. Glaubst du, das hat einen Einfluss auf dich, das Frauen-Team und wenn ja, welchen?
Also ich weiß, dass im Damen-Bereich Planungen stattfinden aber welche, kann man noch nicht genau sagen. Aber nein – ich denke nicht, dass es einen all zu großen Einfluss haben wird. Außer vielleicht, dass der Verein nun etwas bekannter wird.
Eure Saison ist ja mittlerweile beendet und eurer letztes Spiel (16.03.2025) konntet ihr gewinnen. Glückwunsch zum Sieg. Nun seid ihr zweiter geworden – wie geht’s euch mit dem Tabellenplatz? Hattet ihr euch mehr vorgenommen oder seid ihr zufrieden mit der Saison?
Danke für die Gratulation zum Sieg. Und ja, wir hatten uns dieses Jahr eigentlich die Meisterschaft vorgenommen. Es lief auch alles ganz gut. Wir haben Fürstenwalde und Bernau in den ersten Spielen besiegt – das erste mal überhaupt tatsächlich.

Okay. Woran hat es dann gelegen?
Gelegen hat es an Cottbus. Wir haben die beiden Spiele gegen Cottbus verloren, weswegen die auch Tabellenführer sind. Das erste Spiel gegen sie haben wir mit nur zwei Punkten verloren, das zweite mit sieben Punkten. Sehr ärgerlich auf jeden Fall aber die restlichen Spiele haben wir gewonnen.
Konkret hat es wohl daran gelegen, dass wir oft nicht schnell genug in die Defense zurück sind aber vor allem daran, dass wir unsere einfachen Würfe oder auch Korbleger nach einfachen Spielzügen nicht getroffen haben. Das passierte fast jedem von uns einmal mindestens und ich denke, daran hat’s gelegen.
Dennoch sind wir alle relativ zufrieden. Wir haben uns alle in den letzten drei Jahren vom vierten, zum dritten und jetzt zu zweiten Platz vorgearbeitet. Wir nehmen uns nächstes Jahr wieder die Meisterschaft vor und wir hoffen, dass wir das auf jeden Fall schaffen.
Zusammenfassend kann man sagen, Saisonziele etwas verpasst aber trotzdem etwas Positives für die Zukunft mitgenommen. Dabei höre ich raus, dass du auch kommende Saison mit den Frauen auflaufen möchtest? Das war bei unserem letzten Gespräch noch offen.
Hat sich dahingehend etwas geändert oder schaust du erstmal, wie es sich entwickelt?
Ich erinnere mich. Ja, es hat sich bei mir auf jeden Fall viel verändert. Vor allem über das letzte Jahr. Man muss jetzt sagen, ich habe mehr meine Rolle im Spiel als Center gefunden. Das war beim letzten Gespräch und davor noch etwas schwierig. Ich wusste nicht so richtig, wohin mit mir und meiner Größe.
Mein Trainer, das Team und ich haben extrem daran gearbeitet und ich weiß jetzt auf jeden Fall, wo ich stehen und was ich machen muss. In den letzten beiden Spielen habe ich zum Beispiel meine besten Punktzahlen mit jeweils 16 Punkten aufgelegt. Da bin ich sehr zufrieden mit.
Ich bleibe auf jeden Fall dran. Man muss halt immer gucken – bin gerade in der elften Klasse und mache bald mein Abitur. Das ist sehr stressig in den Klausurphasen aber mein Sport ist mir auf jeden Fall sehr wichtig. Ich tu auch außerhalb des Trainings sehr viel dafür. Ich will auch nächstes Jahr wieder bei den Damen spielen. Es kann aber auch sein, dass eine U18 aufgemacht wird – da wäre ich dann auch dabei. Würde aber auf jeden Fall alles dafür geben, um bei den Damen mitspielen zu können, weil ich das Team sehr in mein Herz geschlossen habe und es alles sehr tolle Menschen sind.
Das hört sich sehr gut an – klingt nach Ankommen auf dem Feld. Gibt es dabei noch Dinge, in denen du besser werden bzw. an denen du arbeiten möchtest?
Ich war früher immer sehr stark in der Defense, weil die Offense bei mir immer nie so geklappt hat. Deshalb habe ich versucht, mich daran festzuhalten. Das hat nachgelassen, weil ich mich jetzt auch auf die Offense konzentriere. Die Defense ist vorhanden und auch gut – das würde ich persönlich jetzt so sagen. Besser wär, wenn ich beim Blocken weniger foule und eine fehlerfreiere Defense spiele. Offensiv fehlt mir noch ein Reverse-Layup – das kann ich noch nicht so gut und das wäre etwas, woran ich über die Sommerpause arbeiten möchte.
Das klingt nach konkreten Zielen für die nahe Zukunft. Wie lang ist denn die Sommerpause und wie verbringst du sie?
Im Sommer geht’s auf den Freiplatz mit Freunden, die auch Basketball spielen, und ich werde selbst Sport machen, um die Ausdauer zu behalten. Sind halt die Sommerferien, die man rumbekommen muss. Muss man halt gucken, wie. Manchmal sind die älteren Jungs in der Halle – die U18. Dadurch, dass ich mich mit einigen verstehe könnte ich mir vorstellen, dass ich dann auch öfters in der Halle bin. Manchmal kam es vor, dass wir in den Ferien trotzdem Training hatten. Abhängig davon, ob mein Trainer da ist und ob wir die Halle bzw. eine Hallenzeit bekommen. Muss man dann halt immer gucken, ob das geht. Ansonsten einfach mal ein bisschen entspannen. Mich nimmt das Training immer sehr mit, da ich immer ein paar Körperprobleme habe. Gerade mit meinem Fuß – am rechten hatte ich mir ja schon was gebrochen und gerissen. Dann ist es gut, wenn mal etwas Schonung reinkommt.
Du hast das straffe Programm angesprochen. Wie oft trainiert ihr denn während der Saison pro Woche und was machst du nebenbei noch?
Wir trainieren zweimal die Woche und ich versuche, auf viermal Sport die Woche zu kommen. Also ich gehe zusätzlich ins Gym und trainiere da meine Ausdauer oder Kraft. Momentan konzentriere ich mich auf die Ausdauer. Bei gutem Wetter gehe ich auf den Freiplatz werfen. Ich finde es wichtig, das Werfen drin zu behalten und dass es nicht verloren geht durch meine Arbeit als Center. Da werfe ich ja nicht so viel – bin trotzdem relativ gut darin, würde ich sagen.
Echt eine Menge. Zusätzlich bist du ja auch als Zuschauerin oft in der Halle oder nimmst an Aktionen des Verein teil. Offenbar identifizierst du dich sehr mit den KINGS&QUEENS. Wie würdest du das Vereinsleben dieses noch relativ jungen Vereins beschreiben?
Ja, das stimmt. Ich gehe immer mit den Mädels aus der U16 – wir sind alle so ein bisschen befreundet. Die kommen oft auch zu meinem Training. Mit ein paar von denen bin ich enger befreundet und wir kennen uns auch schon etwas länger. Deswegen gehen wir da auch immer zusammen zugucken. Das macht immer sehr viel Spaß – auch die Mädels zu sehen.
Und zum Beispiel mit dem Trainer der Herren Luis und so, auch Joe – die kenn ich auch und komme gut mit ihnen klar. Wie generell mit den anderen Mannschaften. Es ist alles so über Kreuz, jeder kennt irgendwie jeden so ein bisschen, jeder hat irgendwie Kontakt mit jedem. Ich gehe auch mit ein paar Jungs aus der U18 auf eine Schule. Mit dem einen verstehe ich mich richtig gut, wir reden auch oft über die Spiele und das Training.
Man kann sagen, wir Mädels sind schon eine kleine Familie – auf jeden Fall. Vor allem aber gute Freunde. Es ist immer sehr schön und macht sehr viel Spaß zusammen.
Den Eindruck macht es definitiv, wenn man mal bei den Spielen ist – jeder klatscht jeden ab, jeder kennt jeden, jeder grüßt jeden. Daher kann ich mir vorstellen, dass du dich da sehr wohl fühlst. Verfolgst du mittlerweile auch Basketball abseits vom eigenen Verein? Also die WNBA oder Nationalmannschaft? Beim letzten Gespräch meintest du, dass du dafür nicht die Zeit hättest.
Das ist relativ gleich geblieben, tatsächlich. Ich verfolge es nicht so wirklich. Gerade wenn die Klausurenphase ist, heißt es wirklich: Viel lernen. Dann versuche ich ja noch, auf vier- bis fünfmal die Woche auf mein Sportpensum zu kommen und zudem ein Sozialleben zu führen. Dann bleibt auch gar nicht die Zeit. Vor allem, wenn man abends einfach so müde ist und nur noch etwas entspanntes im Fernsehen guckt. Deswegen ist es bei mir jetzt nicht so extrem aber so ein/zwei Freundinnen von mir halten mich auf dem Laufenden. Manchmal kriege ich so ein bisschen über soziale Netzwerke mit aber so aktiv verfolge ich es nicht.
Eine letzte, persönlich motivierte Frage: Was würdest du einem elfjährigen Mädchen raten, das jetzt auch mit Basketball im Verein anfängt?
Ich würde sagen – ich habe auch mit elf oder zwölf angefangen – viele Dribbleübungen. Es gibt ganz einfache. Wichtig ist, dass man beide Hände trainiert – dass beide stark werden. Ein gutes Dribbling ist immer wichtig. Vor allem, wenn sie es dann weiter machen möchte. Ansonsten immer auf den Freiplatz gehen, ein bisschen werfen. Auch wenn die Körbe dort – die werden ja in der U12 noch runtergestellt – zu hoch sind. Trotzdem würde ich es ihr raten. Einfach auch für die Zukunft.
Ansonsten sich mit seinem Team gut verstehen, auf die Trainer hören – ich glaube Kristine ist ihre Trainerin. Sie spielt ja auch bei mir – eine ganz tolle. Generell einfach darauf hören, was die Trainer sagen – es verinnerlichen und immer die Tipps und Ratschläge annehmen. Das ist der beste Rat, den ich ihr geben kann.
Den Rat gebe ich gern weiter – sie freut sich schon sehr auf das nächste Training. Auch, weil der Verein sie so gut aufgenommen hat. Generell tut der sich mit der Förderung vom Frauen- und Mädchen-Basketball in der Region hervor und ist auch aktuell wieder auf der Suche, nach weiteren Mitspielerinnen für die neue Saison.
Titelfoto: © privat; bereitgestellt von Lillys Mutter
