Guerschon Yabusele überrascht. Und das durchweg positiv. Der 29-jährige Franzose nutzt seine zweite Chance in der NBA, die er nach starken Auftritten bei den olympischen Spielen in Paris von den 76ers bekam – sie verpflichteten ihn für ein Jahr und $2.1 Millionen.
Seine erste Chance? Die bekam er 2017 von den Boston Celtics, die ihn an 16. Stelle gedraftet haben. Der 2.03m große Forward absolvierte allerdings nur 74 Partien (durchschnittlich 6.6 Minuten pro Partie) über zwei Spielzeiten hinweg und war danach wieder raus aus der Liga.
Erfahrener, mit besserem Spielverständnis versehen und vor allem mit einem soliden Dreier im Gepäck hat er sich schnell in die Rotation von Nick Nurse gespielt: Entweder als Forward neben Joel Embiid bzw. Andre Drummond oder als Small-Ball-Center – Yabusele füllt jede Rolle teamdienlich, seriös und verlässlich aus. Bei letzterem sticht er heraus, denn er ist der einzige im Kader, der in allen Saisonspielen bisher zur Verfügung stand.
Gab es vor dem Signing noch Fragen bzgl. seiner NBA-Tauglichkeit, können diese nun bedenkenlos beiseite gewischt werden. Klar ist er als Small-Ball-Center zu klein – trotzdem weiß er sich zu behaupten, was besonders gut im Spiel gegen die Spurs um Landsmann Victor Wembanyama zu sehen war.
Die Zahlen sprechen für ihn: In 23.9 Minuten legt er 9.7 Punkte, 5.1 Rebounds, 1.8 Assists und 0.7 Steals auf. Hervorzuheben ist dabei die Dreierquote von 39.3%.
All das sind Werte eines guten Rollenspielers und auf 36 Minuten gerechnet sogar die eines Borderline-Starters (14.7 Punkte, 7.6 Rebounds, 2.7 Assists, 1.1 Steals).
Man kann schon jetzt festhalten: Die Verpflichtung war ein Glücksgriff. Zumal sie bei dem Vertrag mit wenig Risiko einherging. Und selbst das hat sich gelohnt, denn mit derartigen Leistungen rechneten wohl nur die wenigsten.
Nun aber der Haken: Die 76ers haben keine Bird-Rechte an ihm, sodass er nach der Saison Free-Agent wird. Spielt er weiter so stark, werden ihm andere Teams Angebote machen, die weit über dem liegen, was er in Philadelphia bekommen kann.
Trotzdem ist nicht davon auszugehen, dass er vor der Deadline getradet wird – selbst wenn sein Wert aktuell hoch ist und man ihn nach der Saison verliert. Dafür ist er momentan zu wichtig für das Team. Anders sähe es aus, hätte das Front-Office angesichts der Verletzungen, spielerischen Probleme und Tabellensituation vor ein paar Wochen die Reißleine gezogen.
Nun ist davon auszugehen, dass er bis zum Saisonende bleibt und bestenfalls Playoff-Basketball spielen wird. Denn auch das ist ihm mittlerweise zuzutrauen.
Fakt ist: Er hat seine zweite Chance definitiv genutzt und ist mit ein paar Jahren Verzögerung in der NBA angekommen.
Titelfoto: „Wells Fargo Center in Philadelphia“ © Marcel Eggstein

Eine Antwort zu “Guerschon Yabusele: Fluch und Segen eines Glücksgriffs”
[…] dass es für einen Pick zwischen 1-6 reicht. Und gleichzeitig an die guten Geschichten (z.B. Guerschon Yabusele und Justin Edwards) oder Spiele denken, wie den Sieg in […]
LikeLike