von Marc (Twitter/X: @lemke_marc)
Herausforderungen
Endlich geht es wieder los mit der NBA. Nach der Meisterschaft 2022/23 und dem dramatischen Ausscheiden in der zweiten Playoffrunde 2023/24 ist man in Denver bereit für einen neuen Griff nach dem zweiten Ring in der Jokic-Ära. Nur leider sieht nicht alles so rosig aus wie man es als Fan gerne hätte.
Denn schon recht früh zeichnete sich ab, dass das Front-Office rund um Calvin Booth u.a. KCP keinen neuen, vor allem nicht lukrativen Vertrag anbieten wird. Und auch Reggie Jacksons Abgang war kein Geheimnis mehr, sodass recht früh bereits klar war, wer gehen wird. Offen blieb also, wer die Lücken schließen soll.
Zugänge
Wie zu erwarten war, gibt es neben den Abgängen aber auch neue, mitunter prominente Gesichter in Denver. Mit Russell Westbrook holen die Nuggets einen polarisierenden Spieler. Der Point-Guard war in seiner Prime MVP der Liga, einer der athletischsten, explosivsten Spieler, den die Liga jemals gesehen hat. Jetzt, mit fast 36 Jahren und mehreren enttäuschenden Zwischenstopps in Houston und L.A., ist viel von dem alten Glanz verloren gegangen. Es ist unklar, ob Westbrook als Spieler von der Bank wirklich einen positiven Einfluss auf das Spiel hat. Mit schwindender Athletik und fehlendem Wurf war er die letzten Jahre eher ein Minusspieler. Hier setzt man auf den Faktor Hoffnung, denn Potential hat Westbrook sicherlich noch.
Neben Westbrook konnte man sich auch Dario Saric ins Team holen. Der Big aus Kroatien ist mit seinen 30 Jahren ein erfahrener und spielintelligenter Mann, der dem Team sicherlich weiterhelfen wird. Die Nuggets suchen seit Jahren ein verlässlichen Backup-Center für Jokic. Mit Saric hat man endlich einen gefunden. Saric verspricht Passing, Scoring und Spacing – alles Dinge, die man in Denver händeringend für die Bankrotation sucht.
In der Draft hatten die Nuggets Pech und Glück in einem. Mit DaRon Holmes konnte man den absoluten Wunschspieler draften, nachdem man von 28 auf 22 hochgetradet hatte. Holmes ist ein vielversprechender Big, der Athletik, Beweglichkeit und Shooting verspricht. Allerdings Riss er sich in seinem ersten Spiel die Achillessehne und fällt das ganze Jahr aus.
Abgänge
Nachdem das Team 2023/24 schon mit Bruce Brown einen wichtigen Bestandteil der Meisterschaft verloren hatte, haben die Nuggets in dieser Offseason mit KCP nun auch den zweiten wichtigen Mann verloren. KCP war seit seiner Ankunft der Starter auf der Shooting-Guard-Position und mit seinem Shooting und seiner Defense wichtig für den Erfolg der letzten zwei Jahre. Trotzdem entscheid man sich in Denver gegen eine Verlängerung seines Vertrags, er war dem Front-Office schlicht zu teuer. Die $66 Millionen für die nächsten drei Jahre, wie Orlando sie angeboten hatte, war man nicht bereit zu bezahlen. Stattdessen setzt man bei den Nuggets auf internes Wachstum. Christian Braun übernimmt diese Saison den Platz in der Starting-Five. Auch wenn ich Christian Braun zutraue den Schritt zum Starter zu machen, reißt der Abgang ein tiefes Loch in die Rotation. Neben KCP wurde auch Justin Holidays Vertrag nicht verlängert. Ein seltsamer Schritt, wenn man bedenkt, dass Holiday wahrscheinlich zum Minimum unterschrieben hätte und im letzten Jahr ein zuverlässiger Bankspieler war.
Mit Reggie Jackson trennte man sich vom Hometown-Kid – der Point Guard konnte die Erwartungen leider nie wirklich erfüllen und wurde für drei Second Round Picks nach Charlotte geschickt.

Bewertung und Blick nach vorn
Was Sorgen macht.
Die Rotation des Teams ist dünn. Schon in der letzten Saison hatte Malone Probleme sieben bis acht zuverlässige Spieler für die Playoffs zu finden. Während die Starting-Five eine der besten der Liga ist, wird es danach schnell dunkel. Mit KCPs Verlust wird das Problem nochmal größer. Zwar gibt es mit Payton Watson und Julian Strawther vielversprechende junge Spieler im Team – das Risiko bleibt allerdings sehr groß, dass die jungen in ihre Rollen hineinwachsen und die erhoffte Leistung zeigen. Mit Westbrook holt man eine Wundertüte ins Team, der ein guter sechster Mann werden kann, aber auch das Potential hat viel Unruhe und wenig Leistung in die Mannschaft zu tragen.
Neben der fehlenden Tiefe mangelt es dem Team an Shooting. Schon letztes Jahr stand man auf Platz 27, was die genommenen Versuche angeht. Mit KCP verliert man jetzt noch einen der wichtigsten Werfer und auch Jackson wusste zumindest, wie man von der Dreierlinie wirft. Christian Braun ist als KCP-Nachfolger kein guter Werfer und Westbrook eher katastrophal.
Auch Payton Watson ist hier kein Experte und zusammen mit Aaron Gordon, der nicht berühmt ist für seinen Wurf und Jokic, dessen größte Schwäche wohl der Wurf von draußen ist, wird die Liste der Spieler, die zum Korb wollen bedenklich lang.
Das größte Fragezeichen ist aber Jamal Murray. In der Meisterschaftssaison, besonders in den Playoffs, sah er aus wie ein Star der Liga, der zusammen mit Jokic einen historisch dominanten Titel holte. Allerdings hat Murray immer wieder Probleme mit seiner Gesundheit. Schon in der letzten Saison sah er in den Playoffs müde und angeschlagen aus, dass Ganze krönte er mit einem traurigen Auftritt bei Olympia. Trotz dieser Probleme wurde er im Sommer mit einem Maximalvertrag ausgestattet, in Denver ist man abhängig von einem funktionierendem Two-Man-Game zwischen Jokic und Murray, wenn man nochmal in Richtung Meisterschaft zielt. In der Preseason wirkte Murray über weite Strecken immer noch nicht fit, sein Knie macht ihm immer noch Probleme. Sollte Murray nicht nochmal zu alter Stärke finden kann das Team seine Ambitionen wohl streichen.
Was Hoffnung macht.
Der offensichtlichste Punkt zuerst: Nikola Jokic! Der Serbe ist dreifacher MVP, Finals-MVP und der wahrscheinlich beste Spieler der Liga. Mit ihm auf dem Feld hat man immer zumindest eine Chance jeden Gegner zu schlagen. Solange Jokic fit ist gehören die Nuggets immer zu den Teams, die man nicht unterschätzen sollte, auch dieses Jahr nicht.
Dazu ist das Team und die Starting-Five eingespielt wie kaum ein anderes Team. Murray und Jokic kennen sich seit Jahren, ihr Zusammenspiel ist kaum zu stoppen. Mit Gordon hat Jokic den perfekten Buddy, die beiden Big-Men ergänzen sich hervorragend auf dem Feld und MPJ ist als Dreierspezialist und Cutter eine hervorragende Ergänzung im Waffenarsenal der Denver-Offensive. Trotz des Verlusts von KCP bleibt die Starting-Five eine der besten der Liga und kann jede andere schlagen.
Aus dem Sorgenkind MPJ ist schon im letzten Jahr ein zuverlässiger Spieler geworden. Nach den ersten Jahren seiner Karriere und diversen Operationen am Rücken scheint er seine Probleme überwunden zu haben. Schon letztes Jahr war er der Spieler mit den zweitmeisten Minuten im Team und dieses Jahr wirkt er nochmal kräftiger und fitter. Sollte MPJ langsam zu dem Spieler werden, der vor seinen Rückenverletzungen ein Prognostizierter Top-drei-Pick war, hat man in Denver eine Sorge weniger.
Jugend forscht. So zumindest das Motto in Denver. Und es scheint weiter aufzugehen. Mit Christian Braun hat man einen Spieler gedraftet der sich jedes Jahr weiterentwickelt hat, man kann also die Hoffnung haben, dass er einen guten Job als Starter macht. Dazu hat man mit Peyton Watson und Julian Strawther zwei junge Spieler, die so wirken als wären sie bereit für den nächsten Schritt. Watson konnte aufgrund von muskulären Problemen leider nicht an der Preseason teilnehmen, er zeigte aber schon letzte Saison von Monat zu Monat Verbesserungen und deutet an, ein guter NBA Spieler zu werden.
Julian Strawther muss seine sehr positive Preseason “nur” in die Saison transportieren. Der Shooting-Guard ist ein guter Dreierschütze und bringt dazu ein auffällig gutes Floater Packet mit. Ich habe große Hoffnung, dass er in seinem zweiten Jahr schon einen positiven Einfluss von der Bank bringen kann.
Trotz aller Herausforderungen und Unsicherheiten können die Denver Nuggets in der Saison 2024/25 weiterhin ein ernstzunehmender Titelkandidat sein. Nikola Jokic, der Kern des Teams, bleibt einer der besten Spieler der Liga, und solange er fit ist, sind die Nuggets in der Lage, jeden Gegner zu schlagen. Die starke und eingespielte Starting-Five, kombiniert mit dem Potenzial junger Spieler wie Julian Strawther und Peyton Watson, könnte trotz der Bedenken in der Tiefe und beim Shooting den Unterschied ausmachen.
Auch wenn der Weg zum zweiten Titel in der Jokic-Ära nicht einfach wird und viel Glück erfordert, besteht immer die Möglichkeit, bis in die Finals vorzudringen. Mit einem gesunden Jamal Murray und der Weiterentwicklung des Teams bleiben die Nuggets ein gefährlicher Gegner in der Western Conference.
