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Die Offseason der…Hornets

von Moritz (Twitter/X: @bildstrich)

Herausforderungen

Nach einer sehr enttäuschenden Saison 2023-24, in der die Charlotte Hornets mit nur 21 Siegen und 61 Niederlagen als alles andere als ein konkurrenzfähiges NBA Team auftraten, war die Offseason von tiefgreifenden Veränderungen der Franchise geprägt – sowohl den Kader betreffend als auch das Management und den Trainerstab.
Michael Jordan verkaufte bereits im Juni 2023 seine Mehrheitsanteile der Hornets, die er seit 2010 besaß, an eine Eigentümergruppe, die von Rick Schnall (vorher Miteigentümer der Atlanta Hawks) und Gabe Plotkin (bereits seit 2020 Anteilseigner der Hornets) angeführt wird. Dass eine neue Eigentümerstruktur auch Veränderungen auf andere Ebene nach sich ziehen würde, war nur eine Frage der Zeit. Da die Hornets in der vergangenen Saison deutlich hinter den Erwartungen blieben, kündigte General Manager Mitch Kupchak schon im Februar 2024 seinen Rücktritt an. Auch Headcoach Steve Clifford gab vor dem Ende der Saison bekannt, in der nächsten Saison nicht mehr als Cheftrainer der Hornets an der Seitenlinie zu stehen. Die Offseason stand also komplett unter dem Stern der Neuausrichtung der Hornets.

Bereits Anfang März stellten Schnall und Plotkin den 35-jährigen Jeff Peterson als Executive Vice President of Basketball Operation vor. Peterson arbeitete zunächst im Front-Office der Atlanta Hawks und verbachte die letzten vier Spielzeiten als Assistant General Manager bei den Brooklyn Nets und soll nun die Hornets, die es 2016 zum letzten Mal in die Playoffs schafften, in die Zukunft führen. Als erste Aufgabe oblag es Peterson einen neuen Headcoach zu finden.
Einen Monat und zehn Interviews später entschieden sich Peterson und die Hornets für Charles Lee. Lee wurde in NBA Kreisen schon ein paar Jahre als Headcoach-Kandidat (unter anderem 2021 für die Washington Wizards) gehandelt. Mit einer Dekade an Erfahrung als Assistent-Coach konnte Lee mit den Milwaukee Bucks, bei denen er von 2018-2023 tätig war und mit den Boston Celtics 2023-24 jeweils eine NBA Meisterschaft feiern – als Aktiver war er hauptsächlich nicht in den USA tätig, u.a von 2008-2009 in Deutschland bei der Basketballgemeinschaft Göttingen.
Neben Charles Lee als Headcoach, wurde der Hornets-Trainerstab natürlich noch mit weiteren neuen Gesichtern ergänzt. Hervorzuheben ist hier die Rolle von Kemba Walker. Der viermalige All-Star, den Charlotte im Draft 2011 an neunter Stelle auswählten, wurde einen Tag nach dem er sein offizielles Karriereende verkündete, als Player Enhancement Coach der Hornets vorgestellt.

Zugänge

Durch einen historischen 6-Team-Trade, in dem es hauptsächlich darum ging, Klay Thompson von den Warriors zu den Mavericks zu schicken, sicherten sich die Hornets die Dienste von Reggie Jackson und Josh Green und bekamen zusätzlich die Zweit-Runden Picks der Denver Nuggets für 2029 und 2030 im Tausch gegen den Zweitrunden Pick 2025. Bei Reggie Jackson ging es eher um einen Salary-Dump-Trade und die Hornets entließen Jackson einige Tage später wieder. Von eigenen Free-Agents wurden Seth Curry und Miles Bridges weiter unter Vertrag genommen. Bridges unterschrieb einen Dreijahresvertrag für $75 Millionen. Rein sportlich betrachtet ist dies sicher keine ganz schlechte Verpflichtung für die Hornets. Dass sich das Team auch mit neuem Management hinter Bridges stellt, der im November 2022 wegen häuslicher Gewalt verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, ist moralisch indiskutabel.
Taj Gibson, Moussa Diabate und Keyontae Johnson waren weitere Verpflichtungen der Hornets. Im NBA-Draft 2024 entschieden sich die Hornets an Position sechs für Tidjane Salaün. Trotz seiner athletischen Fähigkeiten und seiner defensive Präsenz gilt der 2.06m große Forward aus Frankreich als Upside-Pick. Er bringt zweifelsohne großes Potential mit, benötigt jedoch sicherlich einiges an Entwicklungszeit (insbesondere in den Punkten Konstanz und Wurfqualität), um für die Hornets erfolgreich zu sein. Mit KJ Simpson, den die Hornets an Position 42 auswählten, kommt ein junger Point-Guard von der University of Colorado nach Charlotte, der von einigen Experten auch eine First-Round Grade bekommen hatte. Spielintelligenz, Dynamik und ein positiver Charakter machten den 1.88m großen Simpson für Charlotte als Entwicklungsspieler interessant. Simpson unterschrieb einen Two-Way-Contract.

Abgänge

Bis auf den JT Thor und Bryce McGowens gab es keine nennenswerten Abgänge bei den Hornets. Sowohl Thor als auch McGowens waren hauptsächlich Rotationsspieler, die in der Regel nur sehr wenig Einsatzzeit bekamen. Weitere Abgänge waren: Davis Bertans, Aleksej Pokusevski und Devonte’ Graham.

Bewertung und Blick nach vorn

Die Neusaurichtung der Hornets sieht für den Anfang betrachtet ganz gut aus. Draft-Kapital für die kommenden Jahre, eine etwas günstigere Cap-Situation und die Entwicklung junger Talente haben für das neue Front-Office hohe Priorität. In dieser Saison sollten die Hornets deutlich mehr Spiele gewinnen als die Saison zuvor. Mit Lamelo Ball, Miles Bridges, Mark Williams, Brandon Miller, Cody Martin, Vasilije Micic, Nick Richards und Tre Mann stehen solide Spieler im Kader. Die größte Herausforderung wird allerdings die Gesundheit der Spieler sein.

Lamelo Ball spielte in den letzten beiden Spielzeiten nur in 58 von möglichen 164 Spielen. Grund hierfür waren immer wieder Verletzungen an seinem Knöchel. Wenn Ball auf dem Feld steht, ist er zweifelsohne der wichtigste Spieler für die Hornets. In der letzten Saison kam er im Schnitt auf 23.9 Punkte and 8 Assists. Einen Ausfall von Ball konnten die Hornets auf dem Feld leider nicht wirklich auffangen. Auf der defensiven Seite wird viel von Mark Williams erwartet werden, der auch in den letzten beiden Jahren immer wieder ausfiel. So kam er letztes Jahr aufgrund einer Rückenverletzung nur auf 19 Einsätze. Die Playoffs sind für die Hornets sicher noch ein gutes Stück entfernt.
Trotzdem sollte das Team deutlich besser und vor allem unterhaltsamer als die letzten beiden Jahre auftreten. Das Best-Case-Szenario wären vielleicht 30 Siege und die Gewissheit, dass die Neuausrichtung der Franchise sowohl im Management als auch im Trainerstab sowie und auf dem Parkett den richtigen Weg einschlägt.

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