von Max (Twitter/X: @max_ropers)
Herausforderungen
The dynasty is over. Konnten sich die Dubs 2023 noch einreden, dass das Aus gegen die Lakers in den Conference-Semifinals ein Ausrutscher war, gab es dieses Jahr die vollumfängliche Bruchlandung. Die Golden State Warriors, das beste NBA-Team des 21. Jahrhunderts, schafften nicht einmal die Playoffs. Das PlayIn-Game beim „kleinen“ Nachbar, den Sacramento Kings, war das Symbol für das Ende einer Ära. Klay Thompson warf in seinem letzten Spiel als Warrior traurige 0 von 10. Die Defense war löchrig. Die Rollenspieler boten keine Entlastung. Steph Curry war offensiv auf sich allein gestellt. In der NBA wird oft vom „title window“ gesprochen. Für die Warriors schloss sich an diesem Abend in Sacramento auch der letzte klitzekleine Spalt.
Die Warriors stehen nun vor der Herausforderung, relevant zu bleiben ohne die Zukunft aufs Spiel zu setzen. Tanking ist keine Option. Die Ära Curry sollte nicht enden wie die von Kobe bei den Lakers oder Dirk bei den Mavs. Curry ist auch mit 36 Jahren immer noch ein Top10-Spieler der Liga. Er hat das US-Team zu Olympia-Gold geworfen. Im August verlängerte er seinen Vertrag um zwölf Monate bis ins Jahr 2027 – $62.6 Millionen war das dem Front-Office wert. Die verdient Curry in seinem dann 18. Jahr in der Bay Area.
Die Verlängerung gibt den Warriors Sicherheit und Stabilität. Curry ist auch mit Ende 30 immer noch ein Magnet für andere Spieler. Doch Mike Dunleavy Jr. als GM und Steve Kerr als Head-Coach haben nun die Aufgabe, ihm eine konkurrenzfähiges Roster geben. Was heißt konkurrenzfähig?
Die Finals sind utopisch, doch die ersten beiden Playoff-Runden sind weiterhin das Ziel. Darauf können sich in der Bay auch alle Verantwortlichen einigen und dafür schreckten sie auch nicht mehr vor unbequemen Entscheidungen zurück
Zugänge
Wie gern hätte ich hier über Lauri Markkanen geschrieben. Kein Club hat im Sommer so sehr an ihm gebaggert. Der Fit wäre vielleicht nicht perfekt, aber die Warriors hätten mit einem Schlag eine der besten Offensivreihen bekommen. Viel Spaß beim Verteidigen von Curry, Markkanen und ggf. noch Kuminga, wenn Draymond die Bälle verteilt. Doch Markkanen hat seinen Vertrag bei den Utah Jazz bis 2029 verlängert und darf diese Saison nicht mehr getradet werden. Bei Paul George hatten sie ebenfalls das Nachsehen.
Mit Buddy Hield bekommen sie einen Schützen und mit Kyle „Slow Mo“ Anderson einen variablen Flügelspieler mit ordentlicher Defense. Außerdem kam Point-Guard DeAnthony Melton von den Sixers.
Der Kader ist aktuell breit aufgestellt. Zwölf Spieler haben mindestens mal durchschnittliches NBA-Niveau. Dazu kommen bei den Dubs traditionell einige G-League-Spieler, die von Kerr gern eingesetzt werden. Aktuell sind Lindy Waters III, Reece Backman und Gui Santos Kandidaten für Einsatzminuten in der Regular-Season.
Abgänge
Für Klay Thompson ging es per Sign&Trade zu den Dallas Mavericks. Er bekommt in Texas $50 Millionen für 3 Jahre. Den Warriors war er das nicht mehr wert, hauptsächlich wegen seiner quasi nicht mehr existenten Defense. Im letzten Jahr hatten sie ihm noch $48 Millionen für zwei Jahre angeboten, was Klay aber nicht annahm. Die Zeiten haben sich geändert. Die Warriors haben nicht mehr die Spendierhosen an. Das liegt zum einen natürlich am neuen CBA mit dem ersten und zweiten „Apron“, was Teams weit über dem Salary Cap bei Trades, Free-Agents und der Draft massiv einschränkt.
Aber auch ohne diese Regeln ging es für die Warriors bereits abwärts. Jordan Poole und Andrew Wiggins bekamen frühzeitig ihre 100-Millionen-Deals und zahlten diese nicht im Ansatz zurück. Auch Draymond Green bekam trotz seiner diversen Skandale noch einen großen Deal.
Den gab es nicht mehr für Veteran Chris Paul. Die Warriors waivten ihn zwei Tage vor Beginn der Free-Agency. Entsprechend gab es keine guten Trade-Angebote für ihn und seine knapp $30 Millionen Gehalt. Paul spielt in seiner vielleicht letzten Saison nun bei den Spurs mit Victor Wembanyama zusammen. Außerdem ging Big-Man Dario Saric zu den Denver Nuggets.

Bewertung und Blick nach vorn
Die Neuzugänge haben alle tradebare Einjahresverträge und wurden auch genau deswegen so verpflichtet. Wir müssen davon ausgehen, dass die Warriors den Trade-Markt genau beobachten und je nach Saisonverlauf die Chips nach vorne schieben. Jimmy Butler könnte ein Kandidat sein, der aber mit seiner Verletzungshistorie inklusive hohem Alter und seinem auslaufenden Vertrag gehörig Nebenwirkungen mitbringt. Ist die Truppe gut im Playoff-Rennen, könnte noch ein Move folgen. Liegt man zwischen Platz 10 und 13 und etwa bei 0.500, wird Dunleavy Jr. bei dem guten Draft-Jahrgang 2025 kein Risiko eingehen. Doch wovon hängt der Saisonverlauf eigentlich ab?
Vier Punkte:
Steph Currys Form
Mit Curry steht und fällt alles. Er muss trotz Olympia gut in die Saison kommen und verletzungsfrei bleiben. Auch mit 36 Jahren ist sein Skillset immer noch so einzigartig, dass er die Mannschaft tragen kann. Es liegt an Kerr, ihn zu den richtigen Zeitpunkten zu schonen, ohne den Teamerfolg zu gefährden.
Jonathan Kumingas Dreier
Kuminga steht vor der wegweisenden vierten Saison. Er hat die Anlagen eines Allstars. Beim Basketball-IQ macht er stetig Fortschritte. Doch er braucht einen verlässlichen Dreier. Letztes Jahr lag er bei 32.5%. So kann er nicht gleichzeitig mit Wiggins und einem Center (Green, Looney, Jackson-Davis) auf dem Feld stehen, die ähnlich oder noch schlechter von draußen treffen.
Draymond Greens Anger Management
Green geht in sein 13. Jahr als NBA-Profi. Defensiv ist er weiterhin ein Mastermind. Was er auf dem Feld sieht, ahnt und verhindert, ist eine Augenweide für die Nerds unter uns. Offensiv weiß auch jeder was er bekommt. Sein blindes Verständnis mit Curry ist unerreicht. Nur bringt das alles nichts, wenn er alle drei Wochen über die Stränge schlägt. Green wird nie ein Leisetreter werden, doch er braucht endlich eine Gelassenheit. Vielleicht hilft es, dass in diesem Jahr nun wirklich gar keiner mit den Dubs rechnet
Die Konkurrenz im Westen
Selbst wenn für die Warriors alles oben genannte gut läuft, wird es brutal in der diesjährigen Western-Conference. OKC ist nach der überragenden Offseason für viele der Favorit auf den First Seed. Dahinter kommen die Wolves, die Mavs und die Nuggets als erste Verfolger. Dass die Warriors eins dieser Teams hinter sich lassen, ist unwahrscheinlich. Doch selbst dahinter versprechen sich viele ein Hauen und Stechen. Memphis geht mit der vollen Kapelle um Morant, Jackson Jr. und Bane an den Start. Die Suns haben mit Tyus Jones vielleicht das Puzzlestück für eine erfolgreiche Saison. Ähnliches erhoffen sich die Sacramento Kings von Demar DeRozan. New Orleans hat gerade für Dejounte Murray getradet. Die Lakers hielten ihren Kern beisammen. Auch die jungen Rockets und die Spurs mit einem noch besseren Wembanyama werden gefährlich. Einzig die Jazz, die Blazers und die Clippers ohne Kawhi sind echte Außenseiter.
Die Warriors müssen sich 2024/25 mit der neuen Realität arrangieren. Sie müssen respektabel sein. Auf und neben dem Feld. Also keine Green-Eskapaden und keine markigen Ansagen, die nicht eingehalten werden. All das schulden sie Curry, dem Prototyp eines Franchise-Players. Loyal, leistungsstark, liebenswert. Auch mit 36 Jahren ist er immer noch eine Augenweide, die in den Playoffs vertreten sein muss.
