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Die Offseason der…Rockets

von Luca (Twitter/X: @PrinceLuca23)

Herausforderungen

Nach einer ereignisreichen Free-Agency 2023 mit den teuren Verpflichtungen von Fred VanVleet, Dillon Brooks und weiteren Veteranen rechnete man in Rockets-Fankreisen mit einer ruhigeren Offseason, in der auf die Erfolge der abgeschlossenen Saison, der ersten der sogenannten „Phase 2“, aufgebaut werden soll. Man bekam in der Draft-Lottery den dritten Pick und einige Tage vor der Draft gab es einen überraschenden Trade. Die Rockets schickten die Kontrolle über die Nets-Picks der Jahre 2025 und 2026 zurück nach Brooklyn und erhielten dafür zwei Firstround-Picks und zwei Swaps, von denen drei Picks der Phoenix Suns sind.
Viele Journalisten wie Adrian Wojnarowski und Brian Windhorst berichteten in der Folge davon, dass die Rockets wohl daran interessiert wären, diese Picks und möglicherweise Alperen Şengün zu nutzen, um für einen Superstar wie Kevin Durant zu traden. Als Şengün-Ersatz sollte dann mit dem dritten Pick Donovan Clingan gezogen werden. Man ging davon aus, dass insbesondere Tilman Fertitta und Ime Udoka den Rebuild beschleunigen möchten und mit einem Superstar-Trade direkt in die „Phase 3“ übergehen wollen. Nachdem Clingan nicht gezogen wurde und es keinen Trade gab, habe ich spätestens nach dieser Offseason eines gelernt: Unter den NBA-Journalisten weiß eigentlich keiner so richtig, was im Front-Office der Rockets abgeht. Jährlich gibt es Gerüchte um das Interesse an Trades für alternde Stars, um den Rebuild zu beschleunigen, doch letztendlich kommt es nie dazu und Aussagen von Udoka und Co. sprechen auch dafür, dass man den Rebuild langsam angehen möchte.

NBA: Houston Rockets at New Orleans Pelicans

Eine interessante Frage in dieser Offseason war (und ist immer noch), was mit den Verträgen von Alperen Şengün und Jalen Green passiert. Beide kann man vorzeitig verlängern (Frist: bis zum 21. Oktober), doch bisher spricht alles dafür, dass man das mit keinem der beiden tun wird. Denn so hätte man mehr Flexibilität im kommenden Sommer und $30 Millionen mehr verfügbar – eine ähnliche Situation wie bei den Sixers, die mit Maxey erst in diesen Sommer verlängerten und zusätzlich Paul George verpflichten konnten.

Zugänge

Mit dem dritten Pick in der Draft sicherte man sich Reed Sheppard von der University of Kentucky, der sich dort besonders als elitärer Distanzschütze (52.1%) einen Namen machte und bereits in der Summer-League sein breites offensives Repertoire zeigen konnte. Nach der Draft sicherte man sich N’Faly Dante im Rahmen eines Two-Way-Contracts. Er überzeugte am College durch seine Rimprotection und in der Offensive als Lob-Threat. Ein weiterer Spieler mit einem Two-Way-Contract ausgestattet ist der Australier Jack McVeigh, der sich auch schon in der BBL und zuletzt auch bei Olympia einen Namen machte als starker Shooter.

Sehr überraschend sicherte man sich im Tausch für den 44. Pick diesen Jahres AJ Griffin von den Atlanta Hawks, der nach einer starken Rookie-Saison (8.9 Punkte pro Spiel bei 39% von Downtown) in seinem zweiten Jahr vom Verletzungspech verfolgt war und deswegen einige Spiele verpasste. Houston bekommt damit einen weiteren jungen talentierten Spieler und hofft auf eine Bounce-Back Season. Verlängert hat man neben Nate Hinton, Jermaine Samuels (die einen nicht garantieren Exhibit 10 Vertrag bekamen) und Jeenathan Williams (Two-Way-Contract) auch mit Aaron Holiday, der eine unterschätzt gute Saison als Backup-Guard spielte und auch in der kommenden Saison sicherlich Minuten sehen wird.
Die Verpflichtungen von Sheppard, Griffin und McVeigh zeigen, dass wohl an oberster Stelle dieser Offseason stand, die Shooting-Power im Team zu verbessern. Zusätzlich hat man auch die Teamoptionen von Jeff Green und Jae’Sean Tate gezogen. Zusammen mit der Garantie des Gehalts von Jock Landale gibt das den Rockets rund $24 Millionen an auslaufenden Verträgen, die für Verstärkungen zur Trade-Deadline benutzt werden könnten.

Abgänge

Nicht verlängert wurden die Verträge von Reggie Bullock Jr. und Boban Marjanovic. Menschlich sind beide Verluste, doch sportlich haben sie eigentlich keine Rolle mehr gespielt.

Bewertung und Blick nach vorn

Die Houston Rockets sollten bei vielen NBA-Fans in der kommenden Saison eines der LeaguePass-Teams werden. Mit den Core-7 Spielern (Jalen Green, Alperen Şengün, Jabari Smith Jr., Tari Eason, Amen Thompson, Cam Whitmore und Reed Sheppard) hat man den tiefsten und einer der besten Young-Cores der Liga, deren Entwicklung spannend zu verfolgen sein wird. Kann Jalen Green endlich mal über eine ganze Saison so spielen wie im letzten März? Wird es einen weiteren Leap von Şengün geben? Wie lang dauert es, bis Amen Thompson Teil der Starting-Five ist? Wie viele Chancen bekommt Sheppard in seiner Rookie-Saison?
Einige Fragen, die es zu beantworten gilt. Bei der Saisonprognose sollte man zwei (indirekte) Neuzugänge dieser Saison nicht vergessen: Tari Eason, möglicherweise einer der unterschätztesten Spieler der Liga, wird von seiner Verletzung zurückkehren und gemeinsam mit Thompson eines der ekelhaftesten Defender-Duos bilden. Ergänzt wurde die Bank auch noch per Trade im Februar diesen Jahres mit Steven Adams, der nach langer Verletzung auch wieder fit zum Trainingscamp erwartet wird und gemeinsam mit Eason, Smith Jr. und Thompson den Gegnern keine Rebounds schenken wird.

NBA: Houston Rockets at New Orleans Pelicans

Die Rockets haben einen der tiefsten Kader der Liga, in dem 13 Spieler eigentlich Minuten bekommen könnten und daher kann man gespannt sein, wie Coach Udoka diese verteilen wird. Dieser deutete an, dieses Jahr die Offensive etwas komplexer zu gestalten, nachdem man diese letzte Saison absichtlich etwas simpler gehalten hat.
Letzte Saison verpasste man nach einem starken Endspurt knapp das Play-In. Dieses zu erreichen wird das Ziel der kommenden Saison sein. Im brutalen Westen wird das kein Selbstläufer, doch wenn das Team auf die letzte Spielzeit aufbaut, die erwarteten internen Sprünge passieren, ist das Erreichen einer der Plätze 6-10 nicht unrealistisch.

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