Antoine Walker: Ein Name, der unter NBA-Fans nicht selten aufhorchen lässt. Denn in ihm vereinen sich unfassbares Talent und ein einzigartiger Spielstil aber auch die Tiefen des Business. Doch der Reihe nach: In der South Side von Chicago geboren und als ältestes von sechs Geschwistern aufgewachsen ging der junge Antoine Devon dank vieler Überstunden seiner alleinerziehenden Mutter auf die Mount Carmel High School. Dort machte er nachhaltig und eindrucksvoll mit seinem basketballerischen Talent auf sich aufmerksam, sodass er ein volles Stipendium erhielt und die University of Kentucky besuchen konnte.
Unter Rick Pitino entwickelte er sich zum Go-to-Guy der Wildcats und führte sein Team 1996 zum NCAA-Titel.
Folgerichtig ging es für den Forward in die NBA. Und das zeitnah. So war er Teil des legendären ’96er Draftjahrgangs, bei dem er von den Boston Celtics an 6. Stelle gezogen wurde. Als Topscorer des Teams wurde er schnell das Gesicht der sich im Umbruch befindlichen Kobolde, die in seiner ersten Saison tatsächlich die schlechteste Bilanz der Franchise-Geschichte (15-67) auflegten.
Es konnte also nur besser werden. Und das wurde es: Mit Rick Pitino als Headcoach (1997) und vor allem Paul Pierce als Co-Star (1998) begann der grün-weiße Aufstieg, der schließlich in der ersten Playoff-Teilnahme (2002) nach sieben Jahren mündete – Schluss war erst in den Conference-Finals gegen die New Jersey Nets.
Im Jahr darauf endete nach acht Spielzeiten seine Zeit im Nordosten der USA, denn die sportliche Führung um Neu-GM Danny Ainge setzte fortan auf Pierce und nicht auf Walker, da der sich immer öfter als ineffizienter Egozocker zeigte, der keine Verteidigung spielte.
Via Trade ging es für den 2.06m großen Forward nach Dallas, wo er angesichts der vielen Optionen offensiv nicht mehr so in Erscheinung trat.
Weitere Trades führten ihn über Atlanta erneut nach Boston und schließlich nach Miami und Minnesota. Dass er in fünf Jahren fünf verschiedene Jerseys trug lag einerseits am Unwillen, sein Spiel anzupassen und andererseits an zunehmenden Gewichtsproblemen.
Trotzdem konnte er einmal die Larry O’Brien-Trophy gen Hallendecke recken, denn als Heat-Rollenspieler gewann er im Jahr 2006 den Titel.
Dass er seinen Meisterschaftring wenige Jahre nach Karriereende ebenso verkaufen musste wie das von ihm 1996 gekaufte Haus seiner Mutter, gehört aber auch zu Antoine Walkers Leben. Denn in jungen Jahren sehr reich geworden lernte er trotz Finanzberater nicht, mit Geld umzugehen. Der ausschweifende Lebensstil, das Spendieren von Luxus für Familie und Freunde sowie Glücksspiel fraßen seine Einnahmen von mindestens $108 Millionen nach und nach auf – bis die Finanzkrise 2008 komplett den Stecker zog und er mit Schulden in Höhe $12.7 Millionen da stand. Und trotzdem war er weiterhin darauf bedacht, zu geben. Auch, als er selbst nichts mehr hatte.
So gehört auch das zu ihm: Viele Wegbegleiter und sein Umfeld beschreiben ihn als jemanden, der helfen möchte. Und das tut er nun in gelenkten Bahnen, setzt sich für die Community in der South Side von Chicago ein und spricht über all das, was er erlebte – auch, um zu mahnen und jungen Spielern eine Orientierung zu geben.
Fakten: Antoine Walker auf basketballreference.com
Interessant:
– Antoine Walker im Celtics-Interview über seine Zeit in Boston (youtube)
– Antoine Walker bei „All the Smoke“ über sein Leben (youtube)
Weitere Kurzportraits: Five Hundred or Less

