Jason Chandler Williams hatte Flair, war tough und definitiv nicht Schwiegervaters Liebling. Bereits als Teenager machte er auf sich aufmerksam: Mit kernigen Assists en masse und dem einen oder anderen Verweis wegen diverser Vorfälle mit illegalen Substanzen. Nachdem er erst in Marshall und schließlich in Florida unter Billy Donovan zu einem weitestgehend produktiven Spielmacher reifte, flog er 1998 letztmalig vom College, denn kurz darauf meldete er sich zur Draft an. Der 1.85m große Guard kam so zur verkürzten Lockout-Saison in die Liga – die Sacramento Kings zogen ihn an 7. Stelle und formten mit ihm, Chris Webber, Peja Stojakovic, Vlade Divac und Doug Christie “The Greatest Show on Court” (Sports Illustrated). In Kaliforniens Hauptstadt wirbelte White Chocolate (eine Kreation der Kings-Werbeabteilung) allerdings nur drei Jahre – die Kings wollten es dann doch etwas weniger spektakulär, dafür mit mehr Reife und Erfolg. Mike Bibby kam für Williams und führte die Kings tatsächlich zur besten Bilanz im Westen und in die Conference-Finals.

In Memphis arbeitete der in West-Virginia aufgewachsene Sohn eines State-Troopers an seinem Spiel – vor allem reduzierte er seine Ballverluste. Grundsätzlich blieb er aber der spektakuläre Pass-First-Guard, der keinen Unterschied zwischen Streetball und NBA-Basketball sah – für ihn war es ein und dasselbe Spiel. Dennoch betont er auch heute noch, dass all die Behind-the-Backs, No-Looks, Crossover und Lobs das Ergebnis harter Arbeit waren – im House of Highlights spricht er von unzähligen Trainingseinheiten mit dem Ball, dabei immer wieder gegen eine Wand passend. So trieb er sein Verständnis von Basketball zur Perfektion, vorerst wenig erfolgreich aber umso spektakulärer. Und selbst scoren? Das war er nicht (Karrierewert: 10.5 Punkte pro Spiel) – er suchte immer den besser postierten Mitspieler (5.9 Assists).
Diese Eigenschaft und sein Flair begeisterte Fans und Mitspieler gleichermaßen. Allerdings reichte es nie für eine Allstar-Nominierung.
Ein großer Fan war sein damaliger Nachbar in Orlando: Shaquille O’Neal. Die Center-Größe sagte in seiner Autobiografie „Shaq Uncut“ über den Guard: „I had always wanted play with that dawg. He was a point guard, a tough little son of a bitch, and he could throw the perfect lob. I used to daydream about throwing down one of his passes.”
Shaqs Wunsch wurde erfüllt: In einem 13-Spieler-5-Team-Trade im August 2005 landete J-Will bei den Heat. Zusammen mit O’Neal, Antoine Walker, James Posey, Gary Payton und dem jungen Dwyane Wade gewann Williams schließlich seinen ersten und einzigen Titel. Und auch dort blieb er sich treu – scoren konnten die anderen, er verteilte das Spielgerät klug und setzte seine Mitspieler mittlerweile seriöser in Szene.
Es war der Höhepunkt einer zwölfjährigen NBA-Karriere, auf die der dreifache Vater und Familienmensch zurückblickt. Nach dem Titel folgten noch vier durchwachsene Jahre in Miami, Orlando und Memphis, die leider auch von Knieverletzungen geprägt waren. Williams, der trotz seines kessen Auftretens nie gern im Rampenlicht stand, lebt nun wieder in Florida und engagiert sich in verschiedenen Stiftungen.
Am Ende bleibt eine wilde Fahrt vom Leben im Wohnwagen auf dem Gelände der DuPont-Highschool bis zum NBA-Titel – und in die Herzen der Fans.
Fakten: Jason Williams auf basketball-reference.com
Mehr: Interview mit der GQ
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